Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
Unter der Bezeichnung „Diabetes mellitus" werden Störungen des Zuckerstoffwechsels zusammengefasst, die zu einer dauerhaften Erhöhung der Glukosekonzentration im Blut (Hyperglykämie) führen.
Der Zuckerstoffwechsel
Glukose (Traubenzucker) ist der wichtigste Zell - Nährstoff im Blut. Vor allem das Gehirn ist auf die konstante Zufuhr von Glukose angewiesen, aber auch Muskelzellen und Fettzellen ernähren sich davon. Der Körper versucht stets einen ausreichenden Vorrat an Glukose im Blut bereit zu halten, optimal ist ein Blutzuckerspiegel zwischen 80 und 100 mg/dl.
Um von den Zellen a8ufgenommen und verarbeitet zu werden, ist das Hormon Insulin notwendig. Nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit wird Insulin ins Blut abgegeben. Es dockt an den Insulinrezeptoren der Zellen an und sorgt dafür, dass die Zellwände für Glukose durchlässig werden. Neben seiner großen Bedeutung für die Verwertung der Glukose aus der Nahrung zeigt das Hormon Insulin auch Wirkung auf den Fettstoffwechsel und die Verwertung von Aminosäuren, die die Bausteine der Eiweiße sind.
Ursachen
Typ - 1 - Diabetes
Da der Typ - 1 - Diabetes in der Regel in einem jugendlichen Alter beginnt, wurde er früher auch als juveniler (jugendlicher) Diabetes bezeichnet. Heute wird davon ausgegangen, dass es sich dabei um eine Autoimmunerkrankung handelt, die durch bestimmte Erbfaktoren und durchgemachte Virusinfektionen begünstigt wird.
Ein solcher Virusinfekt kann bei bestimmten Personen eine so genannte Autoimmunreaktion auslösen, bei der Antikörper gegen körpereigenes Gewebe, in diesem Fall gegen die Inselzellen des Pankreas, gebildet werden. Diese Inselzellantikörper führen schließlich zu einer vollständigen Zerstörung der Insulin bildenden Zellen.
Erst nachdem etwa 80% der Inselzellen verschwunden sind, tritt der Diabetes mit seinen typischen Beschwerden in Erscheinung. Zwischen dem Beginn der Erkrankung und dem Auftreten der ersten Symptome können Wochen, Monate oder auch Jahre vergehen. Häufig kommt es, nachdem die ersten Symptome aufgetreten sind, zu einer vermeintlichen Besserung des Zustands. Der Betroffene befindet sich dann in der so genannten Remissionsphase, die allerdings nur einen kurzen Stillstand der Krankheit bedeutet. Tatsächlich schreitet der Krankheitsprozess fort, bis schließlich alle Inselzellen zerstört sind und kein eigenes Insulin mehr gebildet wird. Beim Typ - 1 - Diabetes liegt also von Anfang an ein echter (absoluter)
Insulinmangel vor. Daher ist die Insulingabe die einzige Therapie, die zu einer Besserung der Beschwerden führt.
Symptome
Die Beschwerden bei Diabetes sind abhängig vom Grad des Insulinmangels und dem Ausmaß der daraus resultierenden Stoffwechselveränderungen.
Die typischen Symptome, die mehr oder weniger stark in Erscheinung treten und sowohl einzeln als auch kombiniert vorkommen können, sind:
- starker Durst (67 - 91%)
- Mattigkeit, Abgeschlagenheit (64 - 80%)
- Vermehrtes Wasserlassen (40 - 75%)
- Juckreiz (20 - 50%)
- Heißhunger (25%)
- Sehstörungen (25%)
- Infektanfälligkeit (10 - 15%)
Der Typ - 2 - Diabetes verläuft zu Beginn häufig völlig beschwerdefrei, so dass er oftmals nur „zufällig" bei Routineuntersuchungen diagnostiziert wird. 30 - 50% der Patienten mit Typ - 2 - Diabetes haben so geringe Beschwerden, dass sie lange keine Veranlassung sehen, einen Arzt aufzusuchen.
Diagnose
Ein Diabetes mellitus kann mit Blutzucker - und Urinzucker - Bestimmungen diagnostiziert werden.
Blutzucker
Der Blutzucker liegt normalerweise nüchtern unter 110 mg/dl und steigt nach dem Essen auf maximal 140 mg/dl an. Wenn der Nüchternblutzucker bei der Messung über 120 mg/dl und der so genannte postprandiale (nach der Mahlzeit) Blutzucker über 180 mg/dl liegen deutet dies auf einen Diabetes mellitus hin.
Harnuntersuchungen
Glukosurie: Ab einem Blutzucker von 160 - 180 mg/dl wird die so genannte Nierenschwelle für Glukose überschritten, bei der der Körper beginnt, überschüssige Glukose über den Urin auszuscheiden. Dieser ausgeschiedene Zucker kann mit Hilfe von Glukose - Teststreifen im Harn nachgewiesen werden. Glukose im Urin ist immer ein Hinweis auf Diabetes.
Ketonurie: Wenn die Zellen aufgrund eines Insulinmangels keinen Zucker verwerten können, ernähren sie sich von so genannten Ketonkörpern, einem Produkt des Kohlehydratstoffwechsels in der Leber. Bei schlechter diabetischer Stoffwechsellage tauchen sie auch im Urin auf und können ebenfalls mit einem einfachen Teststreifen nachgewiesen werden.
Therapie
Eine Heilung in dem Sinne, dass die Erkrankung völlig verschwindet, ist bei Diabetes nicht möglich. Mit der Behandlung kann der Blutzuckerspiegel jedoch gut kontrolliert werden, so dass Diabetiker ein völlig beschwerdefreies Leben führen können. Auch die Folgeerkrankungen und Spätschäden des Diabetes lassen sich mit konsequenter Blutzuckerkontrolle vermeiden. Bei der Diabetestherapie kommt dem Patienten die entscheidende Rolle zu, da dieser die wesentlichen Therapiemaßnahmen des Diabetes in seinem persönlichen Alltag dauerhaft und eigenverantwortlich umsetzen muss.
Typ - 1 - Diabetes
Beim Typ - 1 - Diabetes liegt ein absoluter Insulinmangel vor. Die fehlenden Hormone der Bauchspeicheldrüse müssen also lebenslang von außen durch Injektion ersetzt werden. Die Insulinbehandlung beginnt unmittelbar im Anschluss an die Diagnosestellung. Eine Therapie mit oralen Antidiabetika wäre unwirksam, da sie auf eine vermehrte Insulinausschüttung der Inselzellen abhebt, die beim Typ - 1 - Diabetes jedoch ihre Funktion bereits verloren haben.
Typ - 2 - Diabetes
Häufig liegt der Erkrankung eine ungesunde Ernährungsweise verbunden mit Übergewicht oder Fettleibigkeit zugrunde. In vielen Fällen kann der gestörte Glukosestoffwechsel dann noch mit einer Umstellung der Lebensgewohnheiten normalisiert werden. Dazu gehört vor allem eine Reduktion des Übergewichts, viel körperliche Bewegung und eine ausgewogene, kohlenhydratreduzierte Ernährung.
Reichen diätetische Maßnahmen nicht aus, den Blutzuckerspiegel entscheidend zu senken, können zusätzliche Medikamente eingesetzt werden. Ist die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse schließlich erschöpft oder wirken die Tabletten nur unzureichend, wird auf eine Insulintherapie umgestellt. Alternativ zum Normalinsulin werden bei bestimmten Therapien auch so genannte Insulinanaloga verwendet, bei denen im Gegensatz zum Normalinsulin einige Aminosäuren ausgetauscht wurden.
Prognose
Die Prognose bei Diabetes ist davon abhängig, wie gut es gelingt den Blutzuckerspiegel dauerhaft in normalen Grenzen zu halten. Dazu kann der Diabetiker selbst durch konsequentes Blutzucker - Messen und entsprechende (Selbst - ) Behandlung mit Antidiabetika und Insulingaben am meisten beitragen.
Beim Typ - 1 - Diabetes ist die Prognose auch vom Alter, in dem die Erkrankung beginnt, abhängig. Manifestiert sich der Diabetes um das zehnte Lebensjahr, kann es zu einer Lebensverkürzung von durchschnittlich 15 - 18 Jahren kommen.
Beim Typ - 2 - Diabetes wird der Verlauf der Erkrankung hauptsächlich durch die Folgen der Gefäßschäden bestimmt. Etwa drei Viertel der Patienten sterben an Gefäß - Komplikationen, wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Prognose der Typ - 2 - Diabetiker kann entscheidend verbessert werden, wenn es gelingt, durch Umstellung der Ernährungsweise und körperliches Training ein eventuell vorhandenes Übergewicht zu reduzieren.
Vorbeugen
Einem Typ - 1 - Diabetes kann nicht vorgebeugt werden. Der Typ - 2 - Diabetes lässt sich jedoch recht zuverlässig verhindern, wenn seine Hauptursache ausgeschaltet wird: Das Übergewicht.
Der beste Weg abzunehmen ist eine dauerhafte Umstellung der Ernährung mit viel Obst und Gemüse, weniger Fett und Kohlenhydraten, dafür mehr Vollkornprodukten. Mit Hau - Ruck - Diäten purzeln zwar zunächst die Pfunde, auf lange Sicht sind restriktive Abnehm - Kuren aber nicht erfolgreich. Sobald wieder zur ursprünglichen Ernährung zurückgekehrt wird, kommen auch die Kilos zurück, meist noch mehr als es ursprünglich waren.
Eine empfehlenswerte Diät ist ausgewogen und abwechslungsreich, kommt ohne teure Spezialprodukte aus, kann dauerhaft eingehalten werden und schmeckt.
Ernährung ist aber nur eine Seite der Gleichung. Wer abnehmen und sein Normalgewicht halten will, muss fast zwangsläufig auch seine körperliche Aktivität steigern. Optimal zur Fettverbrennung sind etwa eine halbe Stunde Ausdauertraining pro Tag mit niedriger bis mittlerer Intensität. Auch Krafttraining mit Muskelaufbau ist beim Abnehmen hilfreich, da Muskelzellen sogar in Ruhe viele Kohlenhydrate verbrennen.
Mit Bewegung ist gezielte Diabetes - Vorbeugung möglich. Das Training macht die Zellen empfänglicher für Insulin, und der Teufelskreis aus erhöhten Insulinspiegeln und Insulunresistenz der Zellen wird durchbrochen.
Wenn die Gewichtsabnahme aus eigener Kraft nicht gelingt, lohn es sich den Arzt um Hilfe zu bitten. Er kann auf vielfältige Weise helfen, vom guten Rat bis zur medikamentösen Behandlung der Adipositas.
Stress scheint die Entwicklung eines Typ - 2 - Diabetes zu fördern. Vielen Menschen helfen Entspannungstechniken wie Tai Chi oder Yoga dabei, ruhiger zu werden und mit den Belastungen des Alltags entspannter umzugehen.
Ernährung bei Diabetes
Diabetesgerechte Ernährung bedeutet durchaus nicht automatisch eine strenge Diät. So muss ein Diabetiker nicht zwangsläufig auf Süßigkeiten oder Alkohol verzichten. Eine ausgewogene Ernährung, wie sie für Stoffwechselgesunde empfohlen wird, ist auch für Diabetiker gesund.
Eiweiß (fettarmes Fleisch, Fisch, pflanzliche Eiweiße) sollte 10 - 15% der Gesamtkalorienmenge ausmachen. Falls Nierenschäden auftreten, sollte der Eiweißkonsum jedoch eingeschränkt werden.
Um eine gute Nierendurchspülung zu gewährleisten, sollten Diabetiker auf eine ausreichende Trinkmenge (mindestens 1,5 Liter täglich) achten. Kaffee und schwarzer bzw. grüner Tee eignen sich jedoch nicht, um den Flüssigkeitsbedarf zu decken, da sie vor allem harntreibend wirken und den Körper somit „austrocknen", was gleich bedeutend mit erhöhten Konzentrationen schädlicher Substanzen ist.
Der Alkoholkonsum sollte auf ein gelegentliches Glas beschränkt bleiben. Zwar kann geringer Alkoholgenuss die Gefäße vor Arteriosklerose schützen, gleichzeitig steigt jedoch die Gefahr einer Unterzuckerung. Zu Bier oder Wein sollten daher immer ein paar Kohlenhydrate gegessen werden.